"Die Wand" – ein beeindruckender Film

„Die Wand“ – ein beeindruckender Film

diewanddvd14-7-2014

In meinem letzten „Gelesen“-Post hatte ich euch bereits von dem Roman „Die Wand“ von Marlen Haushofer erzählt, den ich total faszinierend fand. Nun habe ich also auch noch den Film dazu gesehen.

Das Buch fand ich wirklich gut und ich war deswegen schon sehr auf den Film gespannt.

Zunächst aber nochmal kurz  mein Eindruck vom Roman:

Das Buch erschien bereits Ende der 60er Jahren. Eine Frau um die 40, die im ganzen Roman namenlos bleibt, möchte mit einem befreundeten Ehepaar und dessen Hund ein Wochenende auf einer Jagdhütte in den Bergen verbringen. Das Ehepaar geht noch schnell ins Dorf, die Frau und der Hund bleiben auf dem Berg. Doch das Ehepaar kommt nicht mehr zurück und als die Frau sich auf die Suche nach den beiden machen möchte, stößt sie plötzlich auf dem Weg ins Dorf an eine unsichtbare Wand. Diese Wand schließt sie völlig ein, egal, in welche Richtung von der Hütte sie sich auf den Weg macht. Auf der anderen Seite der Wand gibt es zwar Menschen, doch scheinen diese tot zu sein, so wie alle Lebewesen jenseits der undurchdrinbaren Wand. Die Menschen scheinen wie erstarrt, egal was sie gerade getan haben, sie hielten in dieser Bewegung inne. Die Frau beginnt sich nun mit ihrer auswegslosen Situation abzufinden. Irgendwann läuft ihr eine Kuh zu, dann eine Katze. Sie entdeckt auf der Hütte und auf einer auch innerhalb der Wand liegenden Alm Kartoffeln und Bohnen, mit denen sie sich einen Garten anlegt. Irgendwie muss sie ja überleben. Sie beginnt auch Wild zu jagen, denn in der Hütte gibt es ein Gewehr und Munition. Auf alte Kalenderblätter beginnt sie irgendwann ihre Geschichte niederzuschreiben. Ich fand das Buch sehr bewegend und habe noch lange darüber nachgedacht. Allerdings bleiben am Schluss viele, viele Fragen offen. Aber das soll wohl so sein…

Den Film mit Martina Gedeck in der Rolle der in der Bergwelt eingeschlossenen Frau habe ich zusammen mit meinem Mann angeschaut. Mein Mann kannte das Buch nicht, wusste nur von meinen Erzählungen grob, worum es geht und dass ich sehr begeistert vom Buch war. Umgesetzt ist alles recht gut im Film, die wichtigsten Szenen sind vorhanden. Wer tolle Landschaftsaufnahmen liebt, wird in diesem Film auf keinen Fall enttäuscht.

Von Zeit zu Zeit erschien uns der Film aber etwas langatmig. Beim Lesen des Buches kam mir nichts langatmig vor, im Gegenteil, ich war sehr gespannt, was als nächstes geschehen würde und musste unbedingt weiterlesen. Natürlich wusste ich im Film, was als nächstes geschehen würde. Aber mein Mann, der das Buch nicht kannte, fand auch, dass der Film sich manchmal etwas in die Länge zog.

Vom Ende war mein Mann sehr enttäuscht (Ich kannte das „Ende“ja bereits aus dem Buch.). Man sitzt wirklich vor dem Fernseher und sagt : „Und was jetzt??“. Irgendwie erwartet man, dass man eine Lösung präsentiert bekommt. Man möchte wissen, was mit der Frau weiter geschieht, ob die Wand irgendwann verschwindet, ob die Frau überlebt oder eben einsam und eingeschlossen irgendwann stirbt. Man möchte wissen, woher diese Wand kam, wer oder was sie verursacht hat. Und wo kam dieser Mann (der übrigens auch im Buch vorkommt) plötzlich nach vielen Wochen her? Wie konnte es sein, dass sich die Frau und der Mann in diesem doch recht überschaubaren Bereich, der von der Wand umschlossen war, nie begegneten?

Es bleiben also auch beim Film viele, viele Fragen offen. Genauso wie beim Buch. Und doch hat dieser Film etwas sehr Faszinierendes. Man denkt noch lange darüber nach, aber das soll wohl auch so sein. Den Film fand ich gut (Auch wenn ich ihn an manchen Stellen etwas langatmig empfand), das Buch aber doch besser. So geht es mir aber oft, wenn ich zuerst das Buch lese und dann den Film sehe.

Kennt jemand von euch das Buch oder den Film? Mich würde interessieren, wie ihr beides fandet und welche Antworten ihr auf die vielen offenen Fragen am Schluss habt.